Stahl-Oberflächen: blank, schwarz und geschält
Ob ein Stahlteil blank, schwarz oder geschält geliefert wird, entscheidet über drei Dinge: wie genau das Maß ist, wie die Oberfläche aussieht und was das Material kostet. Hier steht kurz, was die Begriffe bedeuten und wann welche Ausführung sinnvoll ist.
Die Oberflächen im Überblick
| Oberfläche | Herstellung | Maßgenauigkeit | Aussehen | Typisch für |
|---|---|---|---|---|
| schwarz (warmgewalzt) | warm gewalzt, Oberfläche unbehandelt | grob, nach EN 10058 / EN 10060 | dunkelgraue, matte Walzhaut | Stahlbau, Schlosserei, Teile, die lackiert oder verzinkt werden |
| blank (kaltgezogen) | kalt gezogen nach EN 10278 | eng, h9 oder h11 | silbrig glatt | Wellen, Passteile, Drehteile, Teile ohne Nacharbeit |
| geschält | warmgewalzt, danach überdreht | mittel bis eng | gleichmäßig metallisch | größere Durchmesser, bei denen Ziehen nicht möglich ist |
Schwarz und die Walzhaut
Warmgewalzter Stahl kommt glühend aus dem Walzwerk. An der Luft bildet sich dabei eine dünne, fest haftende Oxidschicht: die Walzhaut, auch Zunder genannt. Sie ist dunkelgrau bis blauschwarz und gehört zum Material. Sie ist kein Mangel und kein Rost.
- Schutz auf Zeit: Die Walzhaut schützt kurzzeitig vor Rost, aber nicht dauerhaft. Im Freien platzt sie mit der Zeit ab, darunter rostet der Stahl weiter.
- Vor dem Lackieren entfernen: Farbe hält auf Walzhaut schlecht. Wer dauerhaft lackieren will, schleift oder strahlt sie vorher ab.
- Vor dem Verzinken: Beim Feuerverzinken wird die Walzhaut in der Beize ohnehin entfernt.
- Beim Zerspanen: Walzhaut ist hart und geht auf die Schneiden. Wer viel dreht oder fräst, fährt mit blanker oder geschälter Ware besser.
- Beim Schweißen: Im Nahtbereich vorher blank schleifen, sonst gibt es Einschlüsse und Poren.
Blank, also kaltgezogen
Blanker Stahl wird nach dem Walzen kalt durch ein Ziehwerkzeug gezogen. Dadurch wird die Oberfläche glatt und silbrig, und das Maß wird deutlich genauer. Üblich sind die Toleranzen h9 oder h11 nach EN 10278.
Blank nimmt man, wenn das Teil ohne Nacharbeit passen soll, etwa bei Wellen, Bolzen und Führungen oder überall dort, wo eine Bohrung oder ein Lager sitzen muss. Blank ist teurer als schwarz, spart aber oft einen Arbeitsgang.
Ein Hinweis: Blanker Stahl rostet ohne Schutz. Blank bezeichnet die Oberfläche und die Maßgenauigkeit, nicht die Legierung. Ohne Oberflächenschutz kommt nur nichtrostender Stahl (z. B. V2A, V4A) aus.
Geschält
Bei großen Durchmessern lässt sich Stahl nicht mehr sinnvoll ziehen. Dann wird die Walzhaut überdreht, das Material ist damit geschält. Die Oberfläche ist gleichmäßig metallisch, das Maß genauer als bei gewalzter Ware, und beim Zerspanen gibt es keine harte Haut mehr.
Was nehme ich denn nun?
- Es wird lackiert oder verzinkt, das Maß ist unkritisch: schwarz. Günstig und im Stahlbau der Normalfall.
- Es muss genau passen oder wird gedreht: blank.
- Großer Durchmesser und trotzdem sauber: geschält.
Häufige Fragen
Ist die Walzhaut Rost?
Nein. Sie entsteht beim Walzen in der Hitze und haftet fest. Rost bildet sich erst später, wenn der Stahl ungeschützt Feuchtigkeit ausgesetzt ist.
Kann ich auf schwarzem Stahl lackieren?
Nur eingeschränkt. Für ein dauerhaftes Ergebnis sollte die Walzhaut vorher entfernt werden, zum Beispiel mit einer Fächerscheibe, durch Strahlen oder Beizen.
Ist blank rostfrei?
Nein. Blanker Baustahl rostet ohne Schutz genauso. Ohne Oberflächenschutz kommt nur nichtrostender Stahl aus.
Wie entferne ich die Walzhaut?
In kleinem Umfang mit Fächerscheibe oder Schleifband, bei größeren Mengen durch Sandstrahlen oder Beizen.